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Die Geschichte von Pylos /
Messenien
In
der neolithischen Zeit (6000 bis 3000 v. Chr.) lag
der Spiegel des Meeres 100 m höher als heute. Im
Jahre 3710 v. Chr. hob sich der Meeresspiegel um 17
Meter, im Jahre 3360 v. Chr. um 8 Meter, 810 v. Chr.
um 4 Meter und 160 v. Chr. zur Zeit des Pausanius um
2 Meter.
Die Messenier sind Äolier, also Achäer (= Ionier der
Antike) aus Thessalien, und erreichten und
besiedelten das heutige Messenien um 3300 bis 3100
v. Chr. Zu der Zeit kam auch Polykaon mit seiner
Frau Messini und seinem Enkelsohn Pylas nach
Messenien. Mit den Dorern (Lakedaimonier) als
einzigen Feinden, lebt hauptsächlich Westmessenien
im Wohlstand (der Goldene Palast von Pylos). Es
blühen die Berufe des Kupferschmieds, des Töpfers,
des Goldschmieds und die Einwohner, die Kenntnisse
der Astronomie, der Mathematik, Geographie, Seefahrt
und des Handels haben, verbreiten sich bis Kreta,
Zypern, Syrien, Ägypten, Mesopotamien, das Schwarze
Meer, Sizilien, das Kaspische Meer und den gesamten
westlichen Mittelmeerraum.
Pylas gründete die Stadt Pylos, die zur Zeit des
Neleas großen Aufschwung und Ruhm erlangte. Homer
erwähnt die Stadt des Neleas. Nestor, der der Sohn
des Neleas war, regierte im 13. Jhdt. v. Chr.
ungefähr drei Generationen lang. Der Historiker
dieser Zeit, Pausanius, schreibt, dass sich das
homerische Pylos auf der Anhöhe Koryfasio befand,
nördlich von der Voidokoilia-Bucht. Dort war, wie
erzählt wurde, das Haus und das Grab des Nestor, und
in der Nähe das Grab des Thrasymedes, eines seiner
sieben Söhne. Außerdem befindet sich dort die Höhle,
in welcher der mykenische König seine Rinder
beherbergte. Der Palast des Nestors wurde sechs
Kilometer weiter nordwestlich von Koryfasio entdeckt,
in Oberenglianos. Die Ruinen des Palastes bestätigen
in Kombination mit den Beschreibungen Homers, dass
das Königreich des Nestors groß war und sich bis zum
Taigetos-Gebirge hin ausbreitete. Es war nach Mykene
das mächtigste was Einfluss und Reichtum anging.
(Agamemnon, der König der Mykener und Befehlshaber
des gesamtgriechischen Feldzuges schickte 100
Schiffe nach Troja während Nestor 90 Schiffe
schickte).
Homer beschreibt Nestor in der Odyssey als einen von
Allen respektierten und geschätzten weisen und
tugendhaften Alten. Typisch ist der Ausschnitt aus
der Odyssey in welchem Telemachos, der einzige Sohn
des Odysseus, Pylos erreicht um den ehrwürdigen
Alten zu fragen, ob er etwas über seinen vermissten
Vater wisse. Auch wenn Nestor vielleicht nicht
wusste, wo sich Odysseus befand, so nahm er dessen
Sohn doch auf die denkbar beste Weise als Gast auf.
Der mykenische Palast von Pylos wurde am Ende des
13. Jhdt. oder zu Beginn des 12. Jhdt. v. Chr.
völlig von einem großen Feuer zerstört, wozu auch
das engmaschige hölzerne Baugerüst beitrug. Diese
Zerstörung führte zum Verlassen und zur Verwüstung
des Palastes. Die Zerstörung des Palastes des
Nestors, wie auch die Zerstörung oder das
Niederbrennen der anderen zeitgenössischen Paläste
der griechischen Welt (Gla, Böotischer Orchomenos,
Kadmeia von Theben, Mykene, Tiryns) sind aller
Wahrscheinlichkeit nach auf Volksaufstände
zurückzuführen.
Dass das Leben und die Entwicklung der Kultur von
Pylos (nach der Zerstörung des Palastes in
Oberenglianos und dem Ende der mykenischen
Herrschaft des Neleas) weitergingen, zeigt sich in
den Kammer-Kuppelgräbern, die in Messenien gefunden
wurden (geometrische Zeit zur archaischen Periode)
und in der Gründung und Entwicklung einer neuen
Stadt mit demselben Namen – Pylos - in der Gegend,
dieses Mal in der Nähe des Strandes, in Koryfasio,
über der Voidokoilia-Bucht.
Die Schäden und die geringe Bevölkerungszahl, die
durch die furchtbaren Erdbeben des Mittelmeergrabens
entstanden, beeinflussten die Nestoriten, aber auch
die Kreter und die Sizilianer. Nach den
fürchterlichen Schäden, welche durch von starken
Regenfällen hervorgerufene Überschwemmungen
begleitet worden sein müssen, begannen sie langsam
Richtung Norden zu ziehen. Die Abkömmlinge des
Nestors, die – Allen voran Melathron -Pylos
verließen, wurden, wie Herodotus erzählt, Könige in
Athen. Andere Abkömmlinge der Nestoriten waren, wie
uns Plutarch berichtet, Peisistratos, Alkmaion,
Solon und Diogenes Laertios. Gleichzeitig nahmen sie
ihre Ortsnamen nach Athen mit: Kithaeron, Eretria,
Aigaleo. Eine weitere Ursache für die geringe
Bevölkerungszahl in Messenien ist die ernsthafte
Pockenepidemie, die durch ägyptische Seeleute
eingeschleppt worden war.
Nach den Messenischen Kriegen (743 bis 454 v. Chr.)
bleibt Pylos verlassen und unbewohnt.
Während des Peloponnesischen Krieges (431 bis 404 v.
Chr.) besetzte und befestigte der Athener Feldherr
Demosthenes die verlassene Stadt. Seine Gegner, die
Spartaner, wollten diese wichtige Position
wiedererlangen und landeten auf Sfaktiria an. Aber
aus Athen traf große Verstärkung ein und in der
folgenden Seeschlacht unterlag die Flotte der
Spartaner. Jedoch übergaben sich die auf Sfaktiria
angelandeten Spartaner nicht, weil sie die Nacht
über durch Schiffe versorgt wurden.
425 v. Chr. während der Jahre des Peloponnesischen
Krieges mussten die Athener bei der Umsegelung des
Peloponnes auf dem Weg nach Sizilien nach einem
Unwetter in Pylos anhalten. Da entdeckte der
Feldherr Demosthenes die geopolitische Bedeutung von
Pylos und überzeugte die Athener, Koryfasio – wo
sich Pylos befand - mit Mauern zu befestigen. So
entstand eine Marinebasis im Hoheitsgebiet der
Lakedaimonier, von wo aus die Athener zusammen mit
den Messeniern ihre ewigen Feinde stören konnten.
Nachdem Demosthenes innerhalb von sechs Tagen
Befestigungsmauern in Koryfasio errichtet hatte,
verblieb er mit fünf Schiffen in Pylos und schickte
zwei Schiffe nach Athen um Verstärkung anzufordern,
während der Rest der Flotte nach Sizilien abfuhr.
Die alarmierten Lakedaimonier ordneten ihrem Militär
an, sich nach Pylos zu begeben. Der Angriff der
Lakedaimonier wurde abgewehrt und es folgte die
Anlandung der Athener auf Sfaktiria wo die 292
überlebenden Lakedaimonier nach harten Kämpfen und
72 Tagen der Verteidigung gezwungen wurden, sich zu
übergeben. Die lakedaimonischen Kriegsgefangenen
wurden nach Athen gebracht und ihre Befreiung
stellte eine Verhandlungsbedingung Spartas in der
Entwicklung des Krieges dar. Die Gefangennahme der
Lakedaimonier wurde als eine sehr schwere und
provokative Niederlage Spartas betrachtet, zumal es
die einzige Niederlage der Geschichte auf ihrem
eigenen Grund und Boden war.
Nach der Niederlage der Lakedaimonier auf Sfaktiria
hinterließen die Athener eine permanente Garnison in
Pylos, welche durch Messenier verstärkt wurde und so
wurde die Festung des Demosthenes zu einer starken
Militärbasis. Nach dem Frieden des Nikias im Jahre
421 v. Chr. befreiten die Athener die
lakedaimonischen Gefangenen von Sfaktiria, behielten
aber ihre befestigte Basis in Pylos. Als der Krieg
erneut begann, konnten die Lakedaimonier die Festung
der Athener erobern und besetzten die Gegend in 409
v. Chr. Pylos war erneut verwüstet.
369 v. Chr. nach den Siegen des Epameinondas gegen
die Spartaner, denen die Freilassung aller
messenischen Heloten und die Gründung Messinis
folgte, fand Pylos wieder seinen Platz als
messenische Hafenstadt. Dennoch blieben als Folge
der Abwesenheit einer starken örtlichen messenischen
Persönlichkeit und der langjährigen Besetzung
Messeniens durch die Lakedaimonier, die sich nicht
besonders für Schifffahrtsaktivitäten interessierten,
die wichtigen Möglichkeiten, die die küstennahen
strategischen Plätze Methoni, Koroni und vor allem
Pylos boten, ungenutzt.
Zu makedonischen Zeiten wird Pylos als freie
messenische Ortschaft erwähnt, welche über die
Hellenistische Periode und die Römerherrschaft
erhalten blieb. In hellenistischen Zeiten war Pylos
Mitglied in der Achäischen Konföderation (219 v. Chr.)
und während der Römerherrschaft war Pylos autonom
und prägte seine eigenen Münzen.
In der Periode, die der Römerherrschaft folgte, ist
praktisch nichts über Pylos bekannt, während es auch
keine archäologischen Funde gibt.
589 n. Chr. besetzen die Avaren die Gegend. Daher
stammt auch der neuere Name der alten Burg: Avarino
> Navarino.
An der Stelle der alten Akropolis von Pylos wurde
1287 bis 1308 auf einer Fläche von 50.000 qm von den
Franken, den Eroberern des Morea (Peloponnes), eine
Burg mit einem Umfang von ungefähr 600 Metern
errichtet.
Die Franken nannten sie Port de Jonc (Binsenhafen),
nach den Binsen, die an der sandigen Küste bei der
Enge von Sykia wuchsen.
Um 1385 fiel sie in die Hände der spanischen
Navarren, die ihr auch den Namen gaben: Burg der
Navarren. Heute heißt sie Paleokastro oder
Paleonavarino. 1414 fiel sie in die Hände der
Venezianer und 1500 in die Hände der Türken.
DIE SEESCHLACHT VON
NAVARINO.
Auf dem Hauptplatz von Pylos und auf den Inseln
Sfaktiria und Chelonaki in der Bucht von Navarino
befinden sich Denkmäler, die in unmittelbarem Bezug
zur Seeschlacht von Navarino stehen. Eines davon ist
das Denkmal auf dem Platz von Pylos zu Ehren der
drei Admirale: des Engländers Codrington, des
Franzosen de Rigny und des Russen Heiden, die die
ägyptische Flotte in dieser Seeschlacht in die
Flucht schlugen. Weitere erwähnenswerte Denkmäler
sind das Denkmal des Philhellenen Santarosa,
welcher als Freiwilliger im Kampf für die Griechen
fiel, wie auch das Denkmal der Russen auf Sfaktiria
neben der kleinen Himmelfahrtskirche.
Die Begebenheiten, die zur Seeschlacht führten:
Im Juli 1827 unterzeichneten die drei Großmächte
England, Frankreich und Russland ein Abkommen, laut
welchem die Türken den Krieg beenden sollten. Die
Türken hielten sich jedoch nicht hieran und
schickten ganz im Gegenteil Verstärkung in das
Navarinogebiet. Die Großmächte kommen auf alles
vorbereitet in der Bucht an.
Am Mittag des 20. Oktobers ergab sich der Anlass als
die Männer, die die Großmächte ausgesandt hatten, um
friedfertig zu verhandeln, durch ägyptische Kugeln
getötet wurden. Ungefähr so begann die Seeschlacht,
die vier Stunden dauerte und zur völligen Zerstörung
der Ägypter mit 6000 Toten und 4000 Verwundeten
führte. Die Ägypter waren gezwungen, sich
zurückzuziehen während die Griechen ausgelassen den
Sieg feierten. Die Glocken tönten von Dorf zu Dorf
und die Bewohner liefen auf die Plätze um zu
erfahren, dass die Ägypter in die Flucht geschlagen
worden waren. Ihre Freude war unbeschreiblich. Diese
Seeschlacht war der Anfang vom Ende der
türkisch-ägyptischen Herrschaft der Gegend und der
Beginn einer hoffnungsfrohen Periode für
Griechenland nach 400 Jahren der Sklaverei welche
durch das Unterzeichnen im Jahre 1832 des Abkommens
von Konstantinopel, in welchem Griechenland als
autonomer Staat anerkannt wird, beendet wurde.
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Aus
Pylos stammt auch der olympische
Goldmedaillengewinner Kostis Tsiklitiras. Sein Haus
wurde renoviert und überschaut als ein schönes
zweigeschossiges Herrenhaus den Hafen von Pylos.
Tsiklitiras’ Leben war zwar kurz aber voll Aufregung
und Erfolg. Er begann damit, in einer der führenden
griechischen Fußballmannschaften zu spielen und
später wurde er Zweiter im Hochsprung und im
Weitsprung bei der Olympiade in London im Jahre
1908. Bei den Olympischen Spielen in Stockholm 1912
wurde er Erster im Weitsprung. Dieser leuchtende
Werdegang wurde unterbrochen, als er in den
Balkankriegen kämpfte. 1913 starb er im Alter von
nur 24 Jahren an Hirnhautentzündung.
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